Retro-Produkt mit Zukunft

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Retro-Produkt mit Zukunft

Dass es beim Online Print Symposium kollegial und eher leger hergeht, dürfte sich bereits herumgesprochen haben. Doch Oliver Kray, Gründer und CEO von MyPostcard, brachte eine noch andere Dimension in den Kongresssaal. Das war eine andere Welt und eine andere Sprache, wie er über sein Geschäft erzählte – und es war Klasse, wie er es den Teilnehmern näherbrachte.

Im Sommer 2013 machte Oliver Kray, damals noch Fassadenkünstler in Berlin, Fotos am Strand, als ihm die Geschäftsidee kam. Er wollte seine digitalen Handyfotos ganz analog als Postkarte verschicken. Nach kurzer Recherche stellt er fest, dass einige Unternehmen diesen Service bereits anbieten. „Aber die sind entweder zu kompliziert oder grottenschlecht“, sagt der Designer Kray, beschloss, es besser zu machen – und gründete mypostcard.com. „Die Idee, digitale Fotos als echte Postkarte weltweit zu versenden, finde ich einfach mega“, schildert Oliver Kray, denn das traditionelle Versenden „ist ja ziemlich old school, man findet nur langweilige Motive, muss immer einen Kugelschreiber dabeihaben und dann noch eine Briefmarke und einen Briefkasten suchen.“

Oliver Kray, CEO MyPostcard.com

Inzwischen ist das 2014 gegründete Unternehmen MyPostcard bereits international erfolgreich. Aber weniger mir dem Drucken selbst – das überlässt er Dienstleistern – sondern mit seinem App-to-Print-Dienst. Oliver Kray legt den Schwerpunkt auf personalisierte Urlaubs- und Grußkarten. Mit seiner App können Menschen weltweit vom Smartphone aus ihre eigenen Fotos als Postkarten verschicken, die aussehen wie handgeschrieben. Es geht aber auch vom stationären Rechner. In der App- und Web-Version finden sich mehrere tausend fertige Designs, Motive und Elemente, die solo oder in Kombination mit dem eigenen Bildmaterial genutzt werden können.

Der Preis: 1,99 Euro. „Ja klar bin ich mit einem Zwei-Dollar-Produkt am Markt“, sagt Kray. Aber er ist überzeugt, dass sein „Retro-Produkt“ Zukunft hat: „Auch die Digital Natives mögen Karten zum Anfassen“, sagt er. Und immerhin würden in Deutschland jährlich immer noch rund 220 Millionen Postkarten verschickt – in den USA sogar knapp 800 Millionen.

Also auf! Oliver Kray hat sich coachen lassen, Zahlen gewälzt und neue Vermarktungstechniken gelernt, um sein Unternehmen auf den US-Markt vorzubereiten. 10% tragen die Amerikaner heute schon zum Umsatz bei. Der hat sich von 2016 auf 2017 auf etwa 4 Mio. € verdoppelt und soll im laufenden Jahr ähnlich stark wachsen. Glücklicherweise sind wir gerade break even und sollten jetzt Geld verdienen. Wir werden aber weiterhin Geld investieren, um noch schnelleres Wachstum und größtmöglichen Abstand zu allen Wettbewerbern zu bekommen. Ich möchte einfach die beste App sein und weiß, dass das auch seinen Preis hat“, sagt Kray. „Wir haben schnell erkannt, dass es nicht immer nur um das Produkt geht, sondern vielmehr um das Verständnis, wie man Kunden am schnellsten gewinnt, auswertet, berechnet und sein Business wachsen lässt, um profitabel zu werden.“ Bei solchen Vorhaben sollte man sich in jedem Fall damit anfreunden, wenig Zeit und sehr viel Durchhaltevermögen zu haben sowie Geduld und Power mitzubringen, rät Oliver Kray allen, die ähnliches anstreben.

2018-03-23T11:47:41+00:0023/03/2018|