Onlinedruck in Grün

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Onlinedruck in Grün

Denn Thomas Fleckenstein, Prokurist bei der Druckerei Lokay, zeigte die Stolpersteine auf, mit denen eine Druckerei zu kämpfen hat, wenn sie in das Business Onlineprint einsteigt. Zumal die Druckerei aus dem Odenwald mit ihren 27 Mitarbeitern die Messlatte selbst noch einmal höher gelegt hat, als sie für den Eintritt in dieses Geschäftsmodell ohnehin schon liegt. Lokay beschäftigt sich schon seit 2004 intensiv mit „Grünem Drucken“, gehört inzwischen zu den bekanntesten umweltfreundlichen Druckereien Deutschlands und stieg im Januar 2017 mit der Marke www.umweltdruckerei.de in den Onlinedruck ein. Ein hoher Anspruch in einem Markt, in dem „grünes Drucken“ nicht gerade die höchste Priorität hat.

Thomas Fleckenstein, Geschäftsleitung Druckerei Lokay e.K.

So stellte Fleckenstein auch gleich die Frage „ob der Markt darauf wirklich gewartet hat?“ und gab einen Einblick in das erste Online-Jahr. Das lässt sich zwar als ernüchternd, nicht aber als entmutigend beschreiben. „209 Online-Jobs im Jahr 2017 bei einem Umsatz von 89.000 Euro und einem Anteil von knapp zwei Prozent an unserem Umsatzvolumen sind nicht überwältigend, aber eine gute Basis für ordentliches Wachstum“, sagte Fleckenstein selbstbewusst.

„Wer keine Kompromisse beim Thema Umwelt und Qualität machen möchte, ist bei uns richtig!“ Und er sieht Potenzial in der Nische. Inzwischen bietet die Umweltdruckerei in ihrem Shop über zwei Millionen konsequent nachhaltige Print-Produkte an – ökologischer Druck mit Öko-Farben, sozial und fair hergestellt. Eine Zertifizierung mit dem Blauen Engel (RAL-UZ 195) oder nach FSC ist auf Wunsch möglich und jede Bestellung wird ohne Aufpreis klimaneutral produziert.

Fleckenstein machte dabei deutlich, dass die größten Herausforderungen in den Themenkomplexen Zeit, Budget, IT-Kompetenz und Personal liegen und nicht zuletzt der Kompetenzaufbau bei Themen wie E-Commerce, Digitalisierung und Automatisierung. Bedingt durch die Transformation des Unternehmens sieht er zudem einen grundlegenden Kulturwandel, da die Online-Produktion in die bisherigen Produktionswege eingebettet werden muss.

„Wir haben eine ganz spitze Zielgruppe. Wir setzen auf Individualität, haben wenig Produkte mit vielen Variationen, wir erfüllen auch Sonderwünsche und statt auf eine Hotline setzen wir auf persönliche Betreuung“, erklärte Fleckenstein. Und hatte damit das genaue Gegenteil von dem herausgearbeitet, was eine klassische Onlinedruckerei ausmacht: Viele Produkte mit einem hohen Maß an Standardisierung ohne Abweichungen.

Thomas Fleckenstein hatte damit aber auch den Beweis angetreten, dass sich die „alte“ Druckindustrie den neuen Zeiten anpassen und sich transformieren muss. Weil derart transformierte Unternehmen und Online-Printer (auch in Nischen) den Markt der Zukunft bestimmen werden und die größten Chancen haben, im Wettbewerb zu bestehen.

2018-03-23T11:45:22+00:0023/03/2018|