Digitale Prozesse und neue Wertschöpfungen

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Digitale Prozesse und neue Wertschöpfungen

Natürlich wäre es nicht notwendig, dem Kreis der Online-Drucker zu erklären, welche disruptive Veränderung die Digitalisierung für die Wertschöpfungsketten in Produktion, Handel und Dienstleistung mit sich gebracht hat. Interessant ist dennoch, wie sich dies weiterentwickeln könnte. Dazu warf Martin Groß-Albenhausen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des E-Commerce-Verbandes bevh, einige Fragen auf und zeigte an vielen Beispielen, dass die Zukunft der Wirtschaft nicht unbedingt nur den Plattformen und Ökosystemen alleine gehört. „Die dominierende Allianz der GAFA (Google, Amazon, Facebook und Apple) setzt tradierte Geschäftsmodelle unter Druck. Dabei löst die Digitalisierung die Leistungsbündel in Handel, Handwerk und Dienstleistung auf. Die Mechaniken der Preisbildung greifen nicht mehr. Doch im gleichen Zug entstehen neue wertbildende Tätigkeiten, die digitale Prozesse unterstützen: Neue Wertschöpfung, die vom Kunden her entwickelt wird und so aus der Vergleichbarkeit standardisierter Produkte ausbricht“, sagte Groß-Albenhausen. Damit einher gehe eine Veränderung des Einkaufsverhaltens. Doch welche Chancen bestehen, trotz weitgehender Dominanz der Großen Vier, ein Geschäftsmodell auf Services und Benefiz statt Preis zu gründen? Groß-Albenhausen versuchte es mit einer theoretischen Umschreibung: „Der Begriff Digitalisierung beschreibt den Ansatz, Dinge, Handlungen, Prozesse und die daraus resultierenden Werte oder Leistungen mit Hilfe von Informationstechnologie in einer einheitlichen Syntax als Daten zu beschreiben. Diese Vereinheitlichung erlaubt einerseits den Vergleich von Werten, andererseits die Auflösung von Zusammenhängen. Digitalisierung schafft damit Transparenz und ermöglicht eine Rekombination in veränderter Form, um damit wiederum Wertschöpfung zu erzielen.“

Martin Groß-Albenhausen, Stv. Hauptgeschäftsführer des bevh

Wie man sich dieser Aufgabe nähert, lässt sich in einigen Schlagworten zusammenfassen:

  • Im Fokus stehen Daten statt Dinge. Das erfordert Datenkompetenz.
  • Betrachtet werden User statt Konsumenten. Daher liegt der Fokus auf der Kundenzentrierung (Consumer-Centricity).
  • Mehrwert wird erzeugt durch Kontrolle von Prozessen statt Besitz von Gütern und Maschinen. Damit steht die Prozess-Modellierung im Vordergrund.
  • Wachstum entsteht durch eine maximale Integration auf Plattformen und die vertikale Vernetzung von Wertschöpfungsstufen.

„Der Wert eines Unternehmens steigt, je besser es Waren oder Dienstleistungen im Moment des Bedarfs, auf den Nutzer zugeschnitten, in einer von ihm kontrollierbaren Weise über seine bevorzugte Plattform am bevorzugten Ort bereitstellt.“ Dieser Faustregel stellte Martin Groß-Albenhausen noch einen Rat an die Seite, über den sich sicherlich nachzudenken lohnt: „Es gibt Strategien, um mit der Übermacht von Amazon umzugehen: proprietäre Preise, proprietäre Produkte und proprietäre Prozesse.“ Damit entgehe man der Vergleichbarkeit. „Innovation ist die Flucht nach vorn. Das haben auch marktbeherrschende Unternehmen erkannt“, erläuterte Groß-Albenhausen in der Diskussion. „Wer sagt denn, dass es Google in zehn Jahren noch gibt? Vor zehn Jahren war auch Nokia noch unangefochtener Marktführer im Telekommunikations-Geschäft.“

2017-09-19T11:31:25+00:00 06/04/2017|